Unbequem

Normalerweise bin ich keine Leserbriefschreiberin. Und als eine der gelegentlich von mir gelesenen Zeitschriften relativ innovativ dazu überging, keine professionellen Fotomodelle, sondern andere hübsche Menschen zu zeigen, erging ich mich nicht in seitenlangen Elogen, sondern abonnierte.

 

Vorgestern stolperte ich in einer Kurzmeldung zur Nachfolge in Hausarztpraxen jedoch über die Formulierung "Außerdem müsse es für Frauen bessere Betreuungsmodelle geben und die Bezahlung müsse verbessert werden." Schmerz!

 

Ich griff, was wohl meiner Abneigung des Leserinnenbriefschreibens geschuldet ist, einfach zum Telefonhörer und liess mich mit der zuständigen Person verbinden. Ich trug mein durch diesen Satz ausgelöstes Unbehagen kurz vor: Ich fühle mich momentan nicht so, als dass ich einer Betreuung bedürfe. Vielleicht in vielen Jahren oder im Krankheitsfall, momentan jedoch eher nicht.

 

Vermutlich ließ ich bei meinen knappen Ausführungen einen zu großen Spielraum für Interpretationen, denn daraufhin erklärte mir der Mann am Telefon mit beruhigender Stimme, dass damit doch tatsächlich die Betreuungsmodelle für Kinder gemeint seien, damit die Frauen besser arbeiten könnten…

 

Dann bin ich richtig explodiert.

 

adam&eva

 

Es folgte ein kleiner, aber sehr deutlicher Exkurs zur bei Menschen durchaus zweigeschlechtlichen Art der Fortpflanzung, und der seit ungefähr dem letzten Jahrhundert im westlichen Kulturkreis vorherrschenden Meinung, dass Frauen nicht betreut werden müssen und Kinder durchaus nicht nur Frauensache, sondern ein Thema für alle beteiligten Geschlechter sind – ja, auch das männliche Teil (wenn man mal von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Kindern absieht – die gibt es durchaus). Darüberhinaus eine deutliche Absage an "ja, gemeint war es ja so"-Ausflüchte mit dem Hinweis, dass ein öffentliches Nachrichtenangebot sich sicherlich einen genaueren Umgang mit der deutschen Sprache erlauben sollte…

 

Danach wurde es geändert. Immerhin… Momentan habe ich weder Praxis noch Kinder, aber trotzdem: Schlimm!!!

 

Die Illustration zeigt ein Werk von Niki de Saint Phalle. Zur Zeit gibt es auf/in einer nahen französischen Burg noch ein Ausstellung, welche sehr lohnenswert ist. Andermal mehr dazu.

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